Tag 40 bis 42 - Einmal glücklich im Leben

Tag 40

Imogen

Niklaas tauchte eines morgens bei mir auf und meine Gefühle machten einen Höhenflug. Ich bemerkte jetzt, warum ich keinen anderen Mann lieben konnte in den letzten Jahrzehnten. Mein Herz gehörte immer noch Niklaas. Und sein Herz mir.



Der erste gemeinsame Abend endete im Bett. Leider machte sich sein Alter bemerkbar. Er war nicht mehr so agil wie damals. Aber es störte mich nicht. Ich liebte sein Wesen und nicht sein Aussehen. 



Wir gingen wenige Tage nach seinem Einzug einen Schritt weiter und haben geheiratet. Denn seine Zeit war begrenzt und er wollte noch einmal mit mir zusammen sein. Ich nahm seinen Namen an und zeigte ihm die Projekte der Kinder. Er war begeistert von der Lernbereitschaft der Kinder. Leider zischte er wie damals hin und wieder. Das war eine Macke, die eben zu einem Vampir gehört und nie weggehen wird.



Tag 41

Mit meiner Familie ging ich morgens zum Sport. Fee und Erina waren in Teenagerjahren dick geworden und mussten Pfunde lassen. Vor allem Erina, die Agentin werden wollte.



Zum Runterfahren ging es in den Spa.



Dort ging Niklaas an die Sonne und verbrannte in wenigen Minuten. Drei Jahre glückliche Ehe waren dahin. Ich verfiel in eine Depression, weil ich meine große Liebe verloren hatte. Da fragte ich mich, ob wir nicht mehr Zeit gehabt hätten, wenn ich mich damals zu ihm bekannt hätte und seine Vamp geworden wäre, als er zum Vampirfürsten ernannt worden ist in jungen Jahren. Nun ist Viktorian der neue Fürst der Vampire. Niklaas war ihm nach eigener Erzählung ein guter Lehrer und Meister. Nun war Niklaas nur noch ein Haufen Asche und mein Herz gebrochen.



Tag 42

Um den Verlust besser verarbeiten zu können zog ich mit meinen Töchtern nach Oasis Springs in Rio Verde. Fee zog sofort in die eigenen vier Wänden im einen anderen Viertel der Stadt. Erina blieb bei mir. Der Grund war Serena und ihre Familie. Mit Sofia hatte sie zwei Töchter bekommen. Die Schülerin Ophelia und den neuen Zuwachs Nireille. Sofia hat sich auch optisch verändert. Sie färbt ihre Haare nicht mehr blond und trägt nun braun wie damals als Kind.



Die Projekte kamen aus Windenburg mit. Mit ihnen verbinde ich schöne Erinnerungen.



Erina ist Agentin und kämpft mit den Macken eines Aliens. Sie ist eine leuchtende Weihnachtskugel, die je nach Stimmung die Farbe wechselt. 



Ich ziehe Männer magisch an. Ständig fragen sie mich nach meiner Nummer. Obwohl ich den Männern mein Interesse verneine, bleiben selbst die Jüngsten hartnäckig.



Wenn ich mir die Projekte anschaue, sehe ich meine jüngeren Kinder, wie sie die Sachen zusammenbauen. Das treibt mir Tränen in den Augen. Dann muss ich an Niklaas denken, wie er stolz auf seine Stiefkinder war. 



Zumba lenkt mich nur bedingt ab von meinem Kummer. 



Wenige Tage nach meinem Umzug erschien Serena und sagte:
"Mama. Es tut mir so leid für dich, was du gerade durchmachst. Ich würde mich auch so fühlen, wenn Sofia auf einmal fort wäre. Lass uns in die Küche gehen und Kaffee trinken. Dort können wir uns in Ruhe unterhalten."
Ich machte uns Kaffee und heulte mich bei ihr richtig aus. Serena habe ich so sehr vermisst. Ihre liebevolle Ausstrahlung.



Erina

Mein Bruder Claudius kam vorbei und drückte mich tröstend. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen und freute mich wie ein kleines Mädchen. Er hat sich optisch zu einem Schwan entwickelt und ist immer noch Single. Wir gingen rein und er fragte mich:
"Wie läuft es so auf deiner Arbeit?"
"Geht so. Mein Chef lässt sich von mir nur Kaffee bringen und macht mir deutlich, was er von mir hält. In seiner Welt arbeiten Frauen nicht, sondern passen auf die Kinder auf und schmeißen den Haushalt", antwortete ich bedrückt.
"Das klingt schlimm. Soll ich ihm klar machen, dass er dich besser behandeln soll?", fragte er besorgt.
"Bloß nicht. Ich kenn eure Methoden und die gehen immer schlecht aus", sagte ich.
Mein Bruder ist ein gesuchter Verbrecher in hoher Position. Bevor ich so ein Angebot annehme, muss schon mehr passieren. Auf der Arbeit will ich mir den Respekt erarbeiten und keine Leichen auf dem Weg haben.



Mit Claudius, Serena und Mama ging ich essen. Als Mama etwas zu lange für eine Toilette fort war, fragte Claudius mich:
"Was macht Mama so lange?"
Ich schluckte, weil ich einen Verdacht hatte. Sie ist garantiert an der Bar und leert diese gerade. Hilfesuchend schaute ich zu Serena, die selbst den Gedanken hatte. 
"Sie braucht sicher nur etwas länger. Ich schaue schnell nach, wo sie bleibt", sagte sie und ging rein.



Imogen

Seit dem Tod von Niklaas bin ich dem Alkohol verfallen. Auf dem Weg zur Toilette sah ich eine Bar und ging nach meinem Toilettengang dort hin. Ich bestellte einen Drink nach dem anderen, um meinem Schmerz zu ertrinken. Serena wollte mich nicht mal zu ihren Kindern lassen, weil sie Angst hatte, ich würde vor ihnen trinken. Serena kam wütend auf mich zu und hinderte mich daran, erneut zu bestellen. 
"Lass die Finger von dem Zeug! Das bringt dich ins Grab, wenn du weiter so machst", schnauzte sie mich an.
Mir liefen Tränen über die Wangen und sie drückte mich. Ich kann nicht mehr. Ein Teil von mir würde am liebsten sterben, aber der andere Teil will für die Enkel da sein. 



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