Teil 5 - launische Nancy

Erinnerung 5 - Die Kindheit von Rose

Rosemarie zog Rose liebevoll auf. Obwohl sie viel arbeiten war, fand sie immer Zeit für ihre Ziehtochter. Urlaub machen war selten drin, da sie wenig Geld hatte. Aber ihre Mutter gab ihr hin und wieder Geld, wenn Rose etwas brauchte. 
"Tante Rosemarie, wer sind meine Eltern?", fragte Rose im Schulalter.
Rosemarie schaute sie geschockt an und sagte: 
"Du bist zu jung für die Wahrheit, Kind. Eines Tages werde ich es dir erzählen."
Rose gab sich mit den Worten nicht zufrieden und fragte in den nächsten Jahren immer wieder nach. Aber es gab jedes Mal die gleiche Antwort.
Mit 14 Jahren war Rose alt genug, alleine zu sein und nutzte es auch aus. Sie ging auf dem Dachboden und untersuchte jeden Karton. Irgendwann fand die Kartons mit den Aufschriften Sachen von Luisa und William King. Sie nahm die Kartons zur Seite und öffnete zitternd den Ersten. Darin waren alte Fotos von ihren Eltern und anderen Verwandten. Erschreckender Weise sah sie ihrer Mutter total ähnlich. Die Haare. Die Haut. Die Augen. 
Sie öffnete den zweiten Karton und entdeckte Unterlagen. Sowie alte Aufnahmen für ein Diktiergerät. Da im Karton ein Diktiergerät drin war, nahm sie diesen raus und lauschte. Ihre Tante war noch arbeiten und Rose widmete sich den Aufnahmen. Es ging um Williams Arbeit als Abenteuerer. Er erklärte sehr ausführlich seine Entdeckungen mit Standort, Zeitpunkt und detailierter Beschreibung des Aussehens und Gegenstandes. Rose war begeistert davon und wollte mehr über Artefakte wissen. 
Im nächsten Karton fand sie Unterlagen zu seinen Ausgrabungen. Die Artefakte erstaunten sie im Bild. Nun hatte sie einen einzigen Wunsch: sie wollte wie ihr Vater Geschichte erforschen.
Ein anderer Karton hatte Unterlagen ihrer Mutter. Sie arbeitete anscheinend im Büro eines Unternehmers und hatte Material gesichert. Bei genauen Sichten entdeckte sie sofort Auffälligkeiten bei den Zahlen, denn sie machte seit Kurzem die Buchhaltung ihrer Tante und kannte sich etwas mit Bilanzen und Abrechnungen aus. Diese Unterlagen wollte sie der Polizei zukommen lassen, wenn ihre Tante unterwegs ist. Das könnte die Steuerbehörden sehr interessieren.
Im letzten Karton fand sie die Krankenakte ihrer Mutter, einen Mutterpass und Aufnahmen von sich selbst im Bauch ihrer Mutter. Ihre Mutter war anscheinend sehr krank und sie wusste es. Trotzdem wollte sie sie bekommen. Rose weinte. Da war noch ein Umschlag drin. Sie öffnete es und fand zwei Todesbescheinigungen vor. Eins von ihrer Mutter und eins von ihrem Vater. Ihre Mutter war bei der Geburt verstorben und ihr Vater bei einem Unfall. Beide am Tag ihrer Geburt. Nun verstand sie ihre Tante, dass sie nie den Geburtstag von ihr feierte. Diesen Tag hatte sie für ihre toten Eltern reserviert. Denn sie ging immer alleine auf dem Friedhof und kam verheult zurück.
"Was machst du denn ", wollte ihre Tante fragen.
Sie hatte sich angeschlichen und alles schweigend beobachtet. Rose drehte sich um und Rosemarie entdeckte bei ihr die Unterlagen aus dem Krankenhaus.
"Jetzt muss ich also reden", sagte Rosemarie traurig und bat Rose in die Küche. 
Rosemarie erzählte traurig über das Leben ihrer verstorbenen Eltern. Sie freuten sich auf sie, aber am Tag der Geburt lief alles schief. Luisa war verblutet und noch im Kreissaal verstorben. Ihr Vater beging nach Rosemaries Theorie aus Kummer Selbstmord. Der LKW-Fahrer, der seinen Wagen erwischt hatte, hängte den Job an den Nagel und hatte sich nie wieder davon erholt. Sie hatte Bilder vom zerstörten Wagen gesehen und die Leiche ihres Bruders. Diese Bilder hatten sich in ihr eingebrannt. Jedes Jahr gedenkt sie an Luisa und William, weil es sonst keiner tut. 
Rose musste weinen, als sie dies hörte. Ihre Existenz hatte zwei Menschen das Leben gekostet. Aber ihr Vater könnte leben, wenn man ihm geholfen hätte.
"Tante, wir müssen zur Polizei gehen. Ich habe Unterlagen von Mutter gefunden, die einen großen Steuerbetrug aufdecken. Mama hätte es sicher gewollt", sagte Rose entschlossen.
Rosemarie lächelte und sah ihren Bruder in ihr. Am nächsten Tag reichte man die alten Unterlagen ein. 
In New York wurde das Unternehmen sofort von den Steuerbehörden genau untersucht und dank der Aufbewahrungspflicht Beweise gesichert. Der alte Geschäftsführer und viele ältere Angestellte kamen vor Gericht. Sein Nachfolger musste nun schnell handeln und etwas gegen die schlechte PR machen.


Alice

Manchmal vermisse ich die Zeit, wo Nancy ein Kleinkind war und so brav. Sie gehorchte uns und genoß die Zeit mit uns. 



Mein Laden läuft gut. Meine beiden Hunde kommen immer mit. Elias ist mein kleiner Bruder und auch ein Privatermittler heute. Er sieht Papa total ähnlich. 



Da ich keine Waren mehr hatte, musste ich für vier Tage nach Selvadorada reisen. Bevor ich mein Abenteuer startete, ging ich in die Bar und zeigte meinen Hüftschwung.



Leider war alles wieder zugewachsen und ich musste mich durch das Dickicht kämpfen.



Auf einer höheren Lage entdeckte ich ein Flugzeugwrack. Laut den Tagebuch des Piloten stürzte es hier in den 60er Jahren ab und der Pilot konnte gerettet werden. 



Mit Flüchen sollte man nicht spielen. Das musste ich am eigenen Leib lernen.



"Papa, was machst du denn hier?", fragte ich ihn, als ich ihn auf Marktplatz sah.
"Ich mache mit deiner Mutter hier Urlaub. Du bist sicher nicht aus Spaß hier, oder?", antwortete er.
"Ich bin beruflich hier", sagte ich.
"Ruhe dich doch mal aus. Du arbeitest nur noch", sagte mein Vater und drückte mich zum Abschied.



Wütende Glühwürmchen griffen mich an. Mit meinem affigen Tanz konnte ich sie überzeugen, dass ich nicht Böses möchte und sie flogen davon.



Gut vorbereitet war ich auch nach schmerzhaften Erfahrungen im Busch.



Der Tempel wiederum sah anders aus. Die Fallen waren erneuert worden. 



Zu Hause suchte ich wenige Tage nach meiner Rückreise meine Frauenärztin auf. Ich teilte ihr meinen Verdacht mit und wurde sofort untersucht. 
"Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen ein Kind. Wollen Sie das Geschlecht und die Anzahl wissen?", sagte sie
"Nur die Anzahl. Diesmal soll das Geschlecht eine Überraschung sein", sagte ich.
"Es ist nur ein Kind. Hier haben Sie ein Mutterpass. Vergessen Sie nicht den Kontrolltermin", sagte sie und stand auf.
Ich reichte ihr die Hand und ging. Einen Kontrolltermin habe ich direkt auch gemacht. 
Mein Freund freute sich riesig über die Nachricht und küsste mich. 



In den Tagen darauf kam meine Tochter Nancy in die Schule. Ich bekam einen Schrecken, als ich  wenige Monate nach der Einschulung zum Direktor musste. Nancy saß vor ihm und verschränkte sauer die Arme. Vor dem Büro saß eine Mitschülerin mit geschnittenen Haaren und zerschnittenen Anziehsachen. Sie weinte fürchterlich und hielt ihre langen Zöpfe in den Händen. Ihre Mutter drückte sie an sich und versuchte sie zu trösten. 
Ich setzte mich neben meiner Tochter und bekam sofort einen giftigen Blick vom Direktor.Vom Telefon wusste ich schon, was passiert ist.
"Ich hoffe, Sie kommen für den entstandenen Schaden an der Kleidung auf. Und für den Friseurbesuch", sagte er sauer.
"Natürlich, Herr Direktor. Ich verstehe nicht, was mit Nancy los ist", sagte ich verteidigend.
"Noch so ein Vorfall und Ihre Tochter fliegt, verstanden?! Dazu soll sie sich bei der Mitschülerin entschuldigen. Denn sie weigert sich", sagte der Direktor mit rotem Gesicht.
Ich nickte und schleppte meine rebellierende Tochter aus dem Raum.
"Entschuldige dich. Sofort", sagte ich streng zu Nancy.
"Rutsch mir doch den Buckel runter", sagte sie nur und trat ihre Mitschülerin in ein Knie.
Ich verschwand mit rotem Kopf und die andere Mutter schaute uns entsetzt hinterher. Natürlich habe ich den Schaden bezahlt und Nancy Hausarrest erteilt.
"Mama, du kotzt mich an. Warum muss ich zu Hause bleiben, obwohl ich draußen spielen kann?", schrie sie mich zu Hause an.
"Denke über deine Tat mal nach. Dazu bekommst du sechs Monate kein Taschengeld", sagte ich streng.
"Ich hasse dich. Ich hasse Papa. Ich hasse dieses gräßliche Kind in dir. Ich hasse meine Großeltern. Ich hasse alle Menschen auf dieser Welt", brüllte sie mich an und rannte aus der Küche. 
Sprachlos und mit Tränen in den Augen blieb ich zurück. Casimiro drückte mich tröstend und war auch ratlos vor Schreck. Was ist nur aus unseren Engel geworden.



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