Teil 10 - Nächtlicher Besuch

Shirley

Ich hatte eine große Überraschung für David. Seit zwei Monaten war ich schwanger und wollte es ihm vorsichtig sagen. Aber dann kam doch alles anders und es platzte einfach aus mir heraus. Er strahlte vor Freude und drückte mich glücklich. Sofort sprach er von einem Babyzimmer und anderen Sachen, die man beschaffen musste, weil wir unsere alten Kleinkindsachen verkauft hatten. Er plante bereits im Kopf das perfekte Kleinkindzimmer und ich durfte natürlich nicht mitreden. 



Vampir Travis Scott

Wie jede Nacht streifte ich durch die Straßen von Windenburg und suchte nach meinem Nachtmahl. Leider waren heute keine Sterblichen auf der Straße. Also checkte ich alle Häuser ab und entdeckte im einen größeren Mobiliar, was auf eine Familie hinwies. Nach meinem Fenstercheck öffnete ich durch meine Macht die Haustüre und schnupperte. Hier gab es sehr viel Beute. Es gab Gerüche von Kindern, einer Schwangeren und eines Vaters. Ich entschied mich für den Vater, weil alle anderen aus moralischen Gründen verboten waren und Vampire deswegen ins Exil wandern. 



Ich folgte dem Duft des Vaters und landete im Elternschlafzimmer. Dort lag er mit seiner Gemahlin im Bett und schlief seelenruhig. Ich musste an meine Gemahlin Gräfin denken, die gerade auf unseren Nachwuchs aufpasste und sich von den schrecklichen Konservenblut ernähren durfte. Ich hypnosierte den Blondschopf seelenruhig. Meine Magen meldete sich langsam und schrie nach seinem Blut. Anscheinend war diesem das leckere Blut in Aussicht nicht entgangen.



Er stand langsam auf und ich verwandelte mich in meine dunkle Gestalt. Ich zog an mir an und rammte meine Zähne in den Hals. Das Blut war so köstlich und ich konnte nicht mehr aufhören sein Blut zu trinken. Ich beneidete den Typen sogar. Er hatte einen Körper, den ich gerne hätte. Ich hörte ein entsetztes Wimmern und beendete mein Saufgelage. Der Mann brach zusammen und ich sah in der Ecke jemanden stehen. Die Frau wimmerte vor Angst und ich wusste, dass ich fliehen musste. Ich rannte zum Fenster, öffnete diesen und floh als Fledermaus in die Dunkelheit.



Shirley

Was war das für ein Wesen? Ich wurde von komischen Geräuschen wach und sah, wie dieses Ding meinem Liebsten weh tat. Anschließend brach David zusammen und dieses Ding schaute mich mit seinen roten Augen an und floh durch ein Fenster. Direkt am nächsten Morgen begann ich nachzuforschen und fand heraus, dass es ein Vampir war, der David wehgetan hatte. Nur wer war der Vampir? Ich hatte Angst um mein Leben und das Leben meines Kindes. Auch um David. Immerhin ist er meine erste große Liebe und sollte doch nicht sterben.



David hatte am Morgen nach dem Angriff rote Punkte und fühlte sich schlecht. Ich hatte eine Grippe und lag flach. Er glaubte mir nicht, dass ein Vampir sein Blut gestohlen hatte. Dabei gab es doch einen Beweis. Er meinte, Insekten hätten ihn gestochen und das gleichmäßig. In dem Moment fühlte ich mich nicht ernst genommen und musste etwas weinen. Wie kann man nur seiner Partnerin keinen Glauben schenken?



Wenige Monate später kam Tochter Ronny zur Welt. Der kleine Engel verlangte sehr viel Aufmerksamkeit von uns und seine anderen Kinder mussten in der Eingewöhnungszeit hinten anstehen. Was sie auffällig gelassen nahmen.



Fairy Sky

Seit zwei Wochen lebe ich in diesem Keller und bekomme regelmäßig durch eine Lucke etwas zu Essen. Trinken habe ich auf Vorrat bekommen. Überall sehe ich nur Wände. Und eine Decke. Dieses eine Loch in der Decke scheint der Fluchtweg zu sein. Aber dieser ist immer zu von außen. Hoffentlich geht es meinen Kindern gut. Auch wenn ich recht viel Luxus habe, fühle ich mich hier unwohl. Manchmal kommt auch aus der Wand eine Stimme, die mir Befehle gibt. Wenn ich die Befehle nicht durchführe, bekomme ich einen Tag keine Mahlzeit. Also beuge ich mich der verzerrten Stimme und führe diese aus. Auch wenn es manchmal Sachen sind, die als pervers durchgehen würden.



David

Ich mache alles im Haushalt. Versorge die Kinder und Koche etwas. Das Putzen wird unter den Kindern aufgeteilt, damit sie etwas Verantwortung erlernen. Dazu bin ich ein guter Lebensgefährte und versuche Zeit mit Shirley zu verbringen.



Manchmal sind die Kinder im Park nach der Schule oder am Wochenende, weil sie dort ihre Freunde treffen und  spielen können.



Shirley

Meine beste Freundin Bella Grusel und Kollegin stand eines Tages heulend vor meiner Türe. Ihre Schminke war verlaufen und ihre Augen rot durchs Weinen. Sie ging zuerst ins Bad und machte sich etwas frisch, bevor sie wieder zu mir kam.
"Bella, was ist los mit dir?"fragte ich besorgt.
"Mortimer hat die Scheidung eingereicht und seine neue Flamme Liberty Lee ist eingezogen. Das Schlimmste ist, dass sie von ihm schwanger ist. Wir haben doch so lange versucht, noch ein Kind zu bekommen und dann sowas. Mit Alexander wohne ich jetzt im einen kleinen Haus, was ich mir leisten kann. Von Willow Creek kann ich mich einfach nicht lösen. Alex hängt immer noch zu sehr an seinem Vater. Er unterstützt mich sogar mit einem Job nach der Schule. Warum musste das passieren?", weinte sie.
Ich war total überfordert und wusste keinen passenden Ratschlag für sie.
"Sollen wir etwas zusammen machen, damit es dir besser geht?", fragte ich unbeholfen.
Sie schaute mich verwirrt an und dachte wohl, ich hätte einen Ratschlag. Trotzdem nickte sie.




Wir zockten eine Runde und waren sehr vertieft. Für einen Moment konnte Bella ihren Kummer vergessen. Aber sobald sie wieder zu Hause ist, weint sie wieder stundenlang.




Hin und wieder engagiere ich einen Sitter, damit David und ich etwas Zweisamkeit haben. Das bei drei Kindern schwer ist.




 An den  Wochenenden verbringen wir Zeit mit den Kindern. Denn in der Woche arbeiten wir und habe wenig Zeit für sie.



Manchmal sehe ich sie auch die Vögel beobachten.



Oder wir spielen zusammen, damit sie mich als Mutter annehmen.



Wir wollen auch nicht immer Kochen und gehen gelegentlich ins Restaurant. Am meisten ärgern mich die unfreundlichen Empfangsleute. 



Oder die Kinder laufen durchs ganze Restaurant bis das Essen kommt. Zu Hause bringe ich dann immer ein Kind zum Bett, damit es sieht, dass es nicht vergessen wird.



Die Kinder wurden größer und entwickelten eigene Persönlichkeiten. Paddy kommt mehr nach seinem Vater. Odette hat sich von dem Verschwinden ihrer Mutter nie erholt und braucht Psychopharmaka. Ronny ließ sich von ihren Geschwistern heimlich die Haare färben, als wir nicht hinschauten. Sie wird sicher in Zukunft eine Rebellin sein. Odette macht David und mir große Sorgen. Sie ist unterernährt und verweigert größere Mahlzeiten. Wir waren damit bereits beim Arzt, der eine stationäre Behandlung einleiten wollte. Aber sie weigerte sich.



Ronny fragte immer wieder, wann ich David heirate. Verlegen schauten wir weg und antworteten nichts. Ronny wurde dann traurig und ging auf ihr Zimmer. Mit David hatte ich noch nie das Thema angesprochen, weil er bereits verheiratet war und das nicht glücklich. Wir waren auch so glücklich. Ohne Trauschein.



Leider führte die ständige Fragerei seiner Kinder und seiner Schwester dazu, dass wir doch geheiratet haben. Ohne viel Tamtam, was eine Hochzeit eigentlich ausmacht. Atlantis war traurig darüber, weil sie so gerne eine Hochzeit geplant hätte für ihren kleinen Bruder. Aber sie sah auch, dass wir keine Feier wollten. Mit den Teenagern gingen wir einen großen Schritt. Während wir Flittertage hatten, sollten sie wenige Tage auf Ronny aufpassen. Mit 16 Jahren sollte das zumindest möglich sein. Wir haben ihnen Geld gegeben, damit sie etwas Essen kaufen können. 



Odette

Sturmfreie Bude. Party machen. Das dachte ich mir bei der Abwesenheit meiner Eltern. Sie würden kein Wind davon bekommen. Dafür müssten wir nur auf Ronny aufpassen. So schwer kann es doch nicht sein, auf eine Grundschülerin aufzupassen. 
"Odette, wir müssen in zwei Stunden los, um pünktlich auf der Party zu sein. Hast du dich um alles gekümmert?", fragte mich Paddy.
"Nicht ganz. Pizza ist bestellt und ich habe Ronny Geld gegeben. Ich gehe gleich hoch und rede mit ihr", antwortete ich.
"Dann mach schnell. Dein Schwarm wartet sicher nicht lange auf dich", meckerte Paddy rum.
Ich ging hoch und sah sie spielen. Sie drehte sich um und rannte zum Spieltisch. Ich folgte ihr und fragte sie:
"Kannst du heute Nacht alleine zu Hause sein? Ich bin mit Paddy unterwegs und komme erst morgens wieder. Pizza ist bestellt."
Sie hatte Tränen in den Augen und ging dann weg.
"Ihr hasst mich. Oder? Mama und Papa haben mir gesagt, ihr passt auf mich auf", sagte sie wimmernd.
Ich seufzte und ging in die Knie. 
"Wir haben dich lieb, aber wir brauchen auch unseren Freiraum. Dazu ist. Musst du nicht wissen. Ich mache noch schnell Yoga und gehe dann weg", sagte ich und sah Tränen in ihren Augen. 
Dieser Dackelblick würde jeden erweichen, aber nicht mich. Mein Schwarm wird dort sein. Schon alleine der Gedanke machte mich kirre. 



Nach meinem Yoga machte ich mich hübsch und ging mit Paddy weg. Aus dem Fenster schauten uns traurige Kinderaugen an, die Tränen hatten. Ich sah noch, wie sie den Pizzaboten bezahlte und mit der Pizza rein ging. 

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

From Rich to Poor

Kapitel 11

29 Nachwort und Prolog